Der Mönch, das Kind und die Stadt

Fernando Contreras Castro

Der Mönch, das Kind und die Stadt

Roman aus Costa Rica

208
Seiten
Umschlag von:
Rotraut Susanne Berner
Hardcover
17,50 €
(brutto)

Aus dem costa-ricanischen Spanisch von

Lutz Kliche

In einem Bordell in der Altstadt von San José kommt ein einäugiges Kind zur Welt. Der Zyklop wird auf den Namen Polyphem getauft. Er wächst bei seiner Mutter, Maria, bei Dona Elvira, der Bordellköchin, und dem alten Mönch Jerónimo, Dona Elviras Bruder, auf, der nach Jahren der geistigen Suche in Südamerika nach San José zurückgekehrt ist. Jerónimo ist es, der sich am meisten um seine Erziehung kümmert. Er bringt ihm die Welt bei, wie er sie als Gelehrter aus den Büchern kennt …

In einem Bordell in der Altstadt von San José kommt ein einäugiges Kind zur Welt. Der Zyklop wird auf den Namen Polyphem getauft. Er wächst bei seiner Mutter, Maria, bei Dona Elvira, der Bordellköchin, und dem alten Mönch Jerónimo, Dona Elviras Bruder, auf, der nach Jahren der geistigen Suche in Südamerika nach San José zurückgekehrt ist. Jerónimo ist es, der sich am meisten um seine Erziehung kümmert. Er bringt ihm die Welt bei, wie er sie als Gelehrter aus den Büchern kennt.
In der Gesellschaft der Bordellbewohner lebt Polyhem ein geschütztes Leben. Seine Mutter weiß, dass sie dafür bemitleidet wird, einen Zyklopen geboren zu haben. Als sie eines Tages in einem Ramschladen eine Baseballkappe geschenkt bekommt, hat sie eine Idee: Die Kappe kann ihr Sohn so über der Stirn tragen, dass sie verheimlicht, dass ein zweites Auge fehlt. Das Verstecken im Zuhause hat ein Ende: Jerónimo und Polyphem in dieser Verkleidung können gemeinsam in die Stadt. Und so beginnen ausgiebige Streifzüge durch die Straßen und ein Entdecken von San José aus unterschiedlichen Blickwinkeln und Zeiten. Dem blinden Don Félix verdanken der Mönch und das Kind ein Wahrnehmen aus einer anderen Zeit, in der jener noch sehend war, die glamouröse Vergangenheit der Dreißiger Jahre. Öffnet der Mönch allerdings wieder seine Augen, sieht er die schmutzige und lauten Gegenwart voller gehetzter Menschen auf der Suche nach dem nächsten Bus. Auf ihren Wegen üben sie das „Sehen“, ein tiefes, prophetisches, spontanes Sehen und vermögen so das zu tun, was die modernen Stadtbewohner längst verlernt haben: sich wundern. Als Wunder oder als Zeichen, dass die Welt aus den Fugen geraten ist, wird auch Polyphem angesehen – dabei ist allen klar, dass er seine Einäugigkeit keinem göttlichen Schicksal, sondern einem skrupellosen Umgang mit einem Pflanzenschutzmittel zu verdanken hat.

Die Originalausgabe des Romans erschien 1995 unter dem Titel »Los Peor« in Costa Rica. Fernando Contreras Castro erhielt dafür den costa-ricanischen Nationalpreis Aquileo J. Echeverría.

Fernando Contreras Castro

Der Costaricaner Fernando Contreras Castro (*1963) ist einer der bekanntesten Schriftsteller seines Landes und gilt als Vertreter der costa-ricanischen Literatur der »Generation der Enttäuschung«. Er arbeitet als Professor für Literatur an der Universität von Costa Rica in San Jose. Es wurde zweifach mit dem costa-ricanischen Nationalpreis Aquileo J. Echeverría ausgezeichnet. 1995 für den Roman »Los Peor«, der auf Deutsch unter dem Titel »Der Mönch, das Kind und die Stadt« im MaroVerlag erschienen ist und als Taschenbuchlizenz im Unionsverlag. Ein zweites Mal wurde er im Jahr 2000 für »El tibio recinto de la oscuridad« mit diesem Preis in der Sparte Roman ausgezeichnet. Insgesamt hat Fernando Contreras Castro sechs Romane und drei Bände mit Kurzgeschichten in Costa Rica veröffentlicht. Zuletzt erschien »Única blickt aufs Meer«. Die beiden Romane im MaroVerlag sind die einzigen Bücher, die bisher auf Deutsch von ihm vorliegen.


Presse

»Mit ›Der Mönch, das Kind und die Stadt‹ hat Fernando Contreras Castro einen Entwicklungsroman vorgelegt: eine skurrile und zugleich anrührende Education sentimentale, die vom Erwachen einer kindlichen Seele in einem beschädigten Leib erzählt und die den Leser an eine Sicht der Dinge heranführt, die das Fantastische vom Alltäglichen nicht mehr klar unterscheidet.«

Klara Obermüller, Der Knabe im Limonenbäumchen, FAZ

»Dieses Buch enthält mindestens so viel zwischen den Zeilen, wie in ihnen. Es hat eine riesige gesellschaftliche Dimension. Und einen Unterhaltungswert, der an den ›Hundertjährigen‹ erinnert, aber viel wertvoller ist.«

Philine Edbauer, lovelybooks

»Magischer Realismus verbindet sich hier mit schonungsloser Aufarbeitung sozialer Wirklichkeit.«

Der ANDERE Literaturclub

»Ein Kleinod lateinamerikanischer Fabulierkunst.«

Ausgburger Allgemeine

»Contreras Castro trifft den Ton, in dem die Literatur vom Rande berichtet, von einem Rand, dem es nicht an Magie und Andersartigkeit mangelt.«

Sergio Kisielewsky, Página 12

»Fernando Contreras Castro vermischt auf geschickte Weise fantastische Elemente und eine äußerst bildhafte Sprache, wie beide in der Tradition lateinamerikanischen Erzählens steht, mit der nüchternen Realität einer heutigen Millionen-Stadt. Dabei können seine absonderlichen Geschehnisse durchaus wissenschaftlichen Erklärungen standhalten oder entspringen einfach einer anderen Sichtweise der Welt, wie sie zum Beispiel Jerónimo entwickelt. Das Buch lässt einen mit seiner hoffnungsvollen Traurigkeit und seinen wunderbaren kleinen Geschichten am Rande bis zur letzten Seite nicht los. Mit Jerónimo glauben wir daran, dass alles seinen Sinn hat.«

Monika Reutter, Interkultur

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