Wie alles anfing ...

Zwei frischgebackene Abiturienten (Franz Bermeitinger & Benno Käsmayr) besuchten 1968 die Frankfurter Buch­messe und die Gegenbuchmesse in der Mensa der Uni. »Das können wir auch!«, dachten sie und gründeten kurzerhand am Biertisch einen Verlag.
1969 startete der erste spontihafte Versuch: mit Spiritus-Matritzen im Keller des Schwagers gedruckt, mit Werbematerial umfangsteigernd bestückt, in einen Umschlag getackert, entstand das »Große Scheißbuch«. Eine Klim-Bim-Klein-anzeige in der Zeitschrift Underground erbrachte 10 Bestellungen: das Startkapital für den MaroVerlag (DM 50,–).

Inhaltlich gab es mit der Leserschaft bereits erste Missverständnisse auszuräumen.

Es ging los mit UND

Zeitschrift für angebliche Literatur & andere branchenunübliche Kommunikationsformen in dementsprechender Aufmachung.

Was für ein Titel! Heute ist nicht mehr klar, wer ihn formuliert hat. Jedenfalls hatte sich in der Kleinverlagsszene herumgesprochen, dass es in Gersthofen einen neuen Verlag gibt.
UND erschien erstmals im Januar 1970, mit einer Auflage von 200 Exemplaren, sollte halbjährlich erscheinen. Insgesamt gab es 10 Ausgaben, auch 2-fach und 3-fach Nummern.

In UND veröffentlichte Autoren (Auswahl)

Arnfried Astel, Guntram Vesper, F.C. Delius, Heike Doutiné, Fred Viebahn, Fitzgerald Kusz, Christian Geißendörfer, Katrine von Hutten, Timm Ullrichs, Bernd Mattheus, Jörg Fauser, Susanne Röckel, Jürgen Theobaly, Herbert Kapfer, Pociao, Jochen Gerz, Jürgen Ploog, Dieter Wellershoff, Helmut Heißenbüttel, Klaus Staeck und viele andere.

Siebdrucke, Linolschnitte, Monotypien, Brandspuren, Kartoffelstempel, Luftballons, echtes Haschisch, Rasierklingen, Blut, Toilettenpapier …

SELFMADE

Die Idee war, dass Autoren selbst hergestellte A4-Buchseiten produzieren, die der Verlag zu einem Buch zusammenbindet; ein sogenanntes Omnibus-Projekt. Vorab sollte dem Verlag nur ein Prototyp geschickt, nach Annahme dann 150 Ex. vom Autor/Künstler hergestellt werden. In vielen Fällen klappte das, in manchen musste der Verlag vom eingesandten Muster selbst produzieren, da (mangels Fleiß oder Produktionsmittel?) die Blätter zum Stichtag nicht vorlagen.

Maro Manuskripte

1971

In den 70ern gab es nur Letraset und Schreibmaschinen. Satzgeräte waren nicht erschwinglich. Was lag näher, als von den Typoskripten der Autoren im sogenannten Dissertationsdruck zu arbeiten. Luchterhand hatte das bereits vorgemacht. So erschienen 1971 und 1972 sechs Ausgaben der »Maro-Manuskripte« im DIN A4-Format, am Rücken gelumbeckt.

In der Kleinverlagsszene hatte sich herumgesprochen, dass MaroVerleger Benno Käsmayr während seines Studiums in einer Augsburger Kleinoffsetdruckerei jobbte. (Herzlichen Dank an Werner Blasaditsch, den Druckerei-Chef!) Dort wurden eine Reihe von Zeitschriften und Büchern aus der sogenannten Alternativpresse zu Sonderkonditionen gedruckt. Unter anderem regelmäßig die Ausgaben von Josef »Biby« Wintjes ULCUS MOLLE INFO. Wintjes führte eine Versandbuchhandlung, in der es nur Kleinverlags-Publikationen zu bestellen gab und empfahl die Augsburger Druckerei.

1972

So kam auch ein Herausgeber von GASOLIN 23 mit einem Druckauftrag nach Augsburg und der Kontakt zwischen dem MaroVerlag und Carl Weissner war hergestellt. Weissner arbeitete 1971 noch als Lektor beim Melzer Verlag in Darmstadt. Dort wollte er Jörg Fausers »Tophane« herausbringen, was aber am Einspruch des Verlegers scheiterte. Als Weissner das Manuskript an Maro schickte, wurde es sofort verlegt.
Das war der Anfang einer äußerst produktiven Zusammenarbeit. 1973 kam Jörg Fausers ­erster Gedichtband »Die Harry Gelb Story« dazu, der in erweiterter und neu gestalteter ­Ausgabe 1985 nochmals aufgelegt wurde.

1973

Erste Auflage Juli 1970 – Auf der Mainzer Minipressen-Messe 1970 von der »Sub-Sub-Jury« zum Alternativbuch des Jahres gewählt

Benno Käsmayr & Tiny ­Stricker hatten sich bereits während der Gymnasialzeit bei einer Dichterlesung kennengelernt. Zufällig trafen sie sich 1969 in der Münchner Uni-Mensa wieder. ­Stricker erzählte von den Aufzeichnungen seines Trips nach Persien, Käsmayr davon, dass er überlegt, einen Verlag aufzubauen.
Der Handschlag-Vertrag über »Trip Generation« brachte das erste richtige Buch zu Maro. Mangels Produktionsmittel wurde auf halbierte Spiritus-Umdruck-Matrizen in der Schreibmaschine getippt, die später wieder zusammengeklebt und abgenudelt wurden. Der kippligen Technik wegen er­gaben sich so nur etwa 80 Exemplare.

2. Auflage Jan. 1971 (Neu mit IBM Executive getippt, Offsetdruck)

3. Auflage Okt. 1971 mit neuem Cover

Aufgrund einer Besprechung in der ­Frankfurter Allgemeinen wurde Rowohlt auf »Trip Generation« aufmerksam

Das Angebot von Rowohlt

Ab Juli 1977 erschien »Trip Generation« mit neuem ­Cover von Berndt Höppner, der für Rowohlt den Umschlag gemacht hatte.
2014 wurde »Trip Generation« neu gesetzt und vom Autor durchgesehenen. Es ist das einzige Buch im Programm des MaroVerlags, das seit 1970 ununterbrochen lieferbar ist.

Bei der Produktion von »Kunststoff« wurde das Papierformat nicht vollständig ausgenutzt. Da hatte der schwäbische Verleger die Idee, den »Abfall« mit Mundartgedichten der Verlagsgründer zu füllen: »Do faregg«

1970 1970

1970 – »Tackalooaff Bumm«
Der Faltblatt-Wahnsinn: Aufgeklappt ca. 2 Meter.

Eichlers »Comic-Gedichte«

BUKOWSKI

Carl Weissner war mit Bukowski-Manuskripten aus den USA zurückgekommen. Auf die Anfrage, ob man nicht bei Maro Gedichte von Bukowski herausbringen könnte, kam die Antwort:

Carl Weissner

Carl Weissner

Alles paletti: Der Verlagsvertrag wurde auf der Messe 1973 unterschrieben, dann ging es an die Produktion. Das Papier wurde vom Piper-Verlag gespendet, Filme vom Composersatz entstanden in einer nächtlichen Aktion in der Augsburger Niederlassung der Firma Rotaprint, die Druck–platten stiftete die Firma Kalle. Von Fischer, dtv und Piper wurden bezahlte Anzeigen zugesagt: Es konnte losgehen!

Bis 1990 wurde es im MaroVerlag still um den großen Autor. In Auktionen ­wurde um Bukowski-Rechte gefeilscht, Maro war logischerweise nicht unter den Bietenden.
Erst zum 30. Verlagsjubiläum, als der Hype abflachte, kam Maro wieder ins Spiel: »Einmal New Orleans und zurück« mit 7-farbigen Offset-Lithographien, zehn Jahre später »Irgendwo in Texas«, die ersten Texte aus dem Nachlass.

1990

Mehr Amerikaner

1975

DIE TOLLEN HEFTE

herausgegeben von Armin Abmeier

Original Flachdruckgrafiken, gedruckt mit bis zu 8 verschiedenen Echt-Farben, fadengeheftet und mit jeweils einer Beilage.

DIE TOLLEN BÜCHER

herausgegeben von Armin Abmeier

BUKOWSKI

mit den neuen Umschlägen von Rotraut Susanne Berner

AMERIKA-TITEL

mit neuen Umschlägen von Rotraut Susanne Berner

Leider, leider, restlos vergriffen!

Henning Wagenbreth ist ein herausragender Farbauszugszeichner für die Offset-Lithographie. Zwei der Bücher, die er illustrierte, waren in ­kurzer Zeit vergriffen.

Ein besonderes Geburtstagsgeschenk zum 30. Verlagsjubiläum

Vierzehn Gestalter illustrierten Märchen aus der Sammlung der Brüder Grimm. Es wurde das zwölfte Buch in der Reihe »Die tollen Bücher«. Gedruckt in Offset-Lithographie, gebunden als Halb­leinenband mit Fadenheftung. Die gesamte Auflage war nach kurzer Zeit restlos vergriffen!

Fundraising offline!

Wie macht man ein Buch, von dem Rowohlt und Fischer behaupten, es sei unübersetzbar? Das mit knapp 700 Seiten für einen kleinen Verlag eigentlich nicht zu stemmen ist? – Man sucht sich Helfer: The Mulligan Stew Project wird gestartet, auch wenn viele sagen: das kann nicht klappen … doch100 Vorbestellungen zu DM 360,– reichen …

Die Projektbroschüre wurde verschickt und bereits nach 3 Wochen hatten 100 Unterstützer eine Vorzugsausgabe bestellt. Das Budget war gesichert, eine Wette (gegen Armin Abmeier) gewonnen: 1 Kiste Sekt für die Maros!

Die Vorzugsausgabe: schwarzes Kunstleder, zwei Lesebändchen zweifarbig geprägt, von einer Schriftkünstlerin nummeriert und von Autor, Übersetzer und Verleger signiert

Als es noch kein Verzeichnis lieferbarer Bücher gab, war es für Buchhandlungen und Bibliotheken nicht leicht, Bücher aus Kleinverlagen oder Kunsteditionen zu finden. Thomas Neuffer erfand den Katalog »Bücher, die man sonst nicht findet« als Begleitbroschüre einer Wanderausstellung von Titeln aus Minipressen.
Maro übernahm diese Idee und erweiterte das Angebot in den folgenden Jahren. Eine Mordsarbeit ohne PC und Datenbanken. Karteikarten waren die Lösung.

1979 wurde der Katalog um die Aussteller der Mainzer-Minipressen-Messe ergänzt:

Als sich ein Kleinverlag selbst mit Typographie beschäftigt, muss er feststellen, dass wichtige Bücher zum Thema nicht mehr lieferbar sind. Kurzerhand werden die Verlagsrechte gekauft. Pflichtlektüren für Gestalter sind wieder verfügbar.

Jahresgaben

Eine lange Tradition

Hier eine Auswahl:

»Der Minimalismus von Philipp Luidl macht mich süchtig. Ich überlasse mich seiner Stimme mit Haut und Haaren und fühle mich in seinen Sätzen geborgen.«

Michael Krüger

Susanne Neuffer

Etwa 200 Manuskripte erreichen jedes Jahr den Verlag. Ganz selten, dass aus diesen Einsendungen ein Buch wird. Doch die Gedichte einer Hamburger Autorin haben ausnahmslos überzeugt. Zwei Bände mit Kurzgeschichten und ein Roman folgten. Alle Umschläge sind gestaltet von Yvonne Kuschel.

Weitere Umschläge von Yvonne Kuschel

Lange galt Brechts Schülerzeitung »Die Ernte« bis auf ein, zwei Ausgaben als restlos verschollen. Dann fanden sie sich bei der Witwe eines Klassenkameraden von B.B. auf einem Dachboden in England. In der Maro-Gesamtausgabe sind alle Hefte in Abbildung und Transkription enthalten.

»Dass ich den Dieselmotor erfunden habe, ist schön und gut. Aber meine Hauptleistung ist, dass ich die soziale Frage gelöst habe.« 1903 wurden von Diesels »Solidarismus« nur etwa 300 verkauft. Die Neuausgabe bei Maro brachte es bereits auf 3.000 Exemplare.

Als 1982 »Zähneputzen in Helsinki« von Günter Ohnemus erschien, wurden gerade mal 228 Ex. verkauft. Vier Jahre später schrieb Benedikt ­Erenz in der ZEIT: »Ich stieß zufällig auf dieses Buch, das bereits 1982 erschie­nen ist und ärgere mich, dass ich es erst jetzt gelesen habe. Aber bitte, urteilen Sie selbst.« Die Leser haben verstanden: 1986 mussten wir gleich zweimal nachdrucken und weil es so schön war: Neusatz und neues Cover!

1982

Weitere Titel von Günter Ohnemus

1995

Franz Greno hatte auf einem Londoner Flohmarkt eine Leopardentapete entdeckt. Der ideale Überzug für Uli Beckers Haiku-Band »Frollein Butterfly«! Etwas schwierig: erstmal Blindprägung, dann Druck in Weiß, dann in Pink. Franz Greno ist ein Weltmeister der Buchherstellung. Handsatz aus der Ashley Script und Buchdruck auf Rex in Grenos Werkstatt von Karfreitag bis Ostersonntag 1983.

Pep Guardiola las im Juni 2015 im Literaturhaus München die Gedichte von Martí i Pol: »Lyrik bringt mich immer wieder auf den Teppich«! Unsere Ausgabe ist zweisprachig: deutsch /katalanisch.

Diese Übersicht zeigt nur einen Teil aus fast

50 Jahren MaroVerlag

1968 schickte der Deutschlehrer den frischgebackenen Abiturienten in die Welt: »Machen Sie nicht Ihr Hobby zum Beruf, sonst geht es Ihnen wie mir …« Benno Käsmayr folgte dem Rat und begann erst einmal Mathematik zu studieren, doch die Literatur hatte ihn fest im Griff. Die TU München interessierte ihn weniger als die »Maistrassenpresse« mit Autoren wie Herbert Achternbusch, Peter Handke und G. F. Jonke, in der er mitarbeitete. Der Besuch der Frankfurter Buchmesse 1969 gab dann den Ausschlag: Benno Käsmayr und sein Freund Franz Bermeitinger gründeten in der „Schwarzen Katz“ bei Äppelwoi den Maroverlag, während im Nebenraum H.C. Artmann gegen Peter Handke im Kickern verlor.

Sozusagen studienbegleitend entstand der MaroVerlag, erst mit der Zeitschrift UND - »zeitschrift für angebliche literatur und andere branchenunübliche kommunikationsformen in dementsprechender aufmachung«, ab Frühjahr 1970 gab es Bücher. Dass der Kleinverlag trotz Miniauflagen schon in den ersten Jahren als »Wagenbach der 70er« (Darmstädter Echo) gefeiert wurde lag eher am Programm. Die etablierten Verlage waren kaum Anlaufstellen für den damaligen dichterischen Nachwuchs, der sich stark an amerikanischen Vorbildern orientierte. 1971 schon fragte Rowohlt nach Taschenbuchrechten für einen Titel, der als Original mit Spiritus-Matrizen vervielfältigt worden war, ein Offsetdruck wäre nicht bezahlbar gewesen. Der wurde in den weiteren Jahren aber durch einen glücklichen Zufall möglich: Nach dem Wechsel zur Uni Augsburg, wo er dann Sozialwissenschaften studierte, jobbte der Kleinverleger in einer Dissertationsdruckerei und nach wenigen Wochen gab es Naturaltausch: Arbeitszeit gegen Papier und Maschinenzeit, eine optimale Symbiose.

Die vom Verlag herausgegeben Kataloge »Bücher die man sonst nicht findet«, in der sich Kleinverlage mit ihrem Programm vorstellen konnten, waren zur damaligen Zeit (mangels VLB und VLL(inker)B) bereits kleine Renner im Buchhandel. Für Benno Käsmayr waren die Kontakte zu den Kollegen der Kleinverlegerszene auch in anderer Weise wichtig: Seine Diplomarbeit »Die sogenannte Alternativpresse - ein Beispiel für Gegenöffentlichkeit« war nur dadurch möglich geworden.

Dann kam der »dirty old man«. Mit dem Satz »Lieber ein Buch in einem kleinen Verlag als gar kein Buch« hatte Carl Weissner, der Übersetzer und Freund von Charles Bukowski, seine Suche nach einem größeren Verlag abgebrochen und rannte bei Maro offene Türen ein. »Gedichte, die einer schrieb, bevor er im 8. Stockwerk aus dem Fenster sprang« erschien zur Messe 1974 und machte aus einer Freizeitbeschäftigung einen Vollzeitjob. Nach einem Jahr kündigte Benno Käsmayr seinen Betriebsleiterjob in der Druckerei, bezog im Studentenviertel in Augsburg eine Ladenwohnung und etablierte neben dem Verlag eine Kleinoffsetdruckerei, schließlich hatte er das Büchermachen drei Jahre als Student gelernt.

Verlagsvertreter kamen von selbst, das amerikanische Programm wurde ausgebaut mit W.S. Burroughs, Jack Kerouac, John Fante, Raymond Carver, Paul Bowles, Prosabänden von Bukowski. Die Taschenbuchverlage wurden aufmerksam. Mit Günter Ohnemus, Andreas Mand, Uli Becker und Michael Schulte kamen wieder deutsche Nachwuchsautoren zum Verlag. Die Begegnung mit Rotraut Susanne Berner veränderte die Optik des Verlages ab 1980 entscheidend. Buchumschläge wurden fast ausschließlich als sog. Offset-Lithografien in der eigenen Druckerei von handgezeichneten Farbauszügen in Echtfarben gedruckt. Damit setzte sich die Optik der Maro-Bücher ganz entscheidend von den üblichen 4-Farbdrucken ab. Schon für die ersten drei Umschläge erhielt R.S. Berner den Piatti-Preis für Buchgrafik. In der gleichen Technik gedruckt erschienen ab 1991 die von Armin Abmeier in loser Folge herausgegebenen »Tolle Hefte« (seit 2001 in der Büchergilde Gutenberg), begleitet von der Reihe »Die tollen Bücher«.

Ein weiterer Verlagszweig entstand mit sog. »Ausgrabungen« - vergessene Bücher, die als Reprint oder Neuausgaben aufgelegt wurden: Titel aus dem Bestand des März Verlages, Typografie-Klassiker von Jan Tschichold und Paul Renner, die Beat-Anthologie des Rowohlt-Verlages, Bertolt Brechts Ernte, die fast alle heute noch Teil der Backlist sind.

Verrückte Projekte zogen sich wie ein roter Faden durch die Jahre. 1997, im Jahr des »Mulligan-Stew-Projektes« zweifelten die Vertreter am Verstand des Verlegers, nannten ihn tollkühn. Sorrentinos Buch »Mulligan Stew« galt nicht nur als unübersetzbar, sondern auch als unverkäuflich. Das Projekt sah 100 nummerierte und signierte Vorzugsausgaben zum stolzen Preis von 360 DM vor, die allen Skeptikern zum Trotz in 3 Wochen verkauft und vorausbezahlt waren, die Finanzierung war gesichert.

Was macht ein Verleger und Drucker sonst noch: In den 80/90er Jahren wurde er als Referent in Zusammenarbeit mit der Ausstellungs- und Messe GmbH mit wechselnden Kollegen zu Seminaren nach Asien, Afrika und Lateinamerika geschickt, Thema: Grundlagen des ökonomischen Verlegens, gibt es doch zwischen Klein- und 3.Welt-Verlegern eine starke Gemeinsamkeit: Gute Ideen und wenig Geld.

2002 erhielt Benno Käsmayr den Kurt-Wolff-Preis zur Förderung einer vielfältigen Verlags- und Literaturszene, der »Drahtseilakt des Machbaren« war auch in der Öffentlichkeit angekommen. Seit dem letzten Jahr ergänzt das literarische Programm des Maroverlags ein »textiler« Zweig. So erscheinen nun Fach- und Galeriebücher zum Thema Textil, vorzugsweise »filzlastig«. Noch kurz erwähnt, eine weitere Ausgrabung: »Solidarismus« von Rudolf Diesel, das komplett vergessene sozialreformerische Buch des begnadeten Augsburger Motoringenieurs.

2017 erhielt der MaroVerlag den Preis „für einen Kleinverlag in Bayern“, daneben noch den Förderpreis für „junge Buchgestaltung“ der Stiftung Buchkunst.