Der Mönch, das Kind und die Stadt

Fernando Contreras Castro

Der Mönch, das Kind und die Stadt

Roman aus Costa Rica

In einem Bordell in der Altstadt von San José kommt ein einäugiges Kind zur Welt. Der Zyklop wird auf den Namen Polyphem getauft. Er wächst bei seiner Mutter, Maria, bei Dona Elvira, der Bordellköchin, und dem alten Mönch Jerónimo, Dona Elviras Bruder, auf, der nach Jahren der geistigen Suche in Südamerika nach San José zurückgekehrt ist. Jerónimo ist es, der sich am meisten um seine Erziehung kümmert. Er bringt ihm die Welt bei, wie er sie als Gelehrter aus den Büchern kennt …

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In einem Bordell in der Altstadt von San José kommt ein einäugiges Kind zur Welt. Der Zyklop wird auf den Namen Polyphem getauft. Er wächst bei seiner Mutter, Maria, bei Dona Elvira, der Bordellköchin, und dem alten Mönch Jerónimo, Dona Elviras Bruder, auf, der nach Jahren der geistigen Suche in Südamerika nach San José zurückgekehrt ist. Jerónimo ist es, der sich am meisten um seine Erziehung kümmert. Er bringt ihm die Welt bei, wie er sie als Gelehrter aus den Büchern kennt.
In der Gesellschaft der Bordellbewohner lebt Polyhem ein geschütztes Leben. Seine Mutter weiß, dass sie dafür bemitleidet wird, einen Zyklopen geboren zu haben. Als sie eines Tages in einem Ramschladen eine Baseballkappe geschenkt bekommt, hat sie eine Idee: Die Kappe kann ihr Sohn so über der Stirn tragen, dass sie verheimlicht, dass ein zweites Auge fehlt. Das Verstecken im Zuhause hat ein Ende: Jerónimo und Polyphem in dieser Verkleidung können gemeinsam in die Stadt. Und so beginnen ausgiebige Streifzüge durch die Straßen und ein Entdecken von San José aus unterschiedlichen Blickwinkeln und Zeiten. Dem blinden Don Félix verdanken der Mönch und das Kind ein Wahrnehmen aus einer anderen Zeit, in der jener noch sehend war, die glamouröse Vergangenheit der Dreißiger Jahre. Öffnet der Mönch allerdings wieder seine Augen, sieht er die schmutzige und lauten Gegenwart voller gehetzter Menschen auf der Suche nach dem nächsten Bus. Auf ihren Wegen üben sie das „Sehen“, ein tiefes, prophetisches, spontanes Sehen und vermögen so das zu tun, was die modernen Stadtbewohner längst verlernt haben: sich wundern. Als Wunder oder als Zeichen, dass die Welt aus den Fugen geraten ist, wird auch Polyphem angesehen – dabei ist allen klar, dass er seine Einäugigkeit keinem göttlichen Schicksal, sondern einem skrupellosen Umgang mit einem Pflanzenschutzmittel zu verdanken hat.

Die Originalausgabe des Romans erschien 1995 unter dem Titel »Los Peor« in Costa Rica. Fernando Contreras Castro erhielt dafür den costa-ricanischen Nationalpreis Aquileo J. Echeverría.

Untertitel
Roman aus Costa Rica
Autor
Fernando Contreras Castro
Übersetzt von
Lutz Kliche
Seiten
208
Sprache
Deutsch
Umschlag von
Rotraut Susanne Berner
Bindungsart
Hardcover
ISBN
978-3-87512-266-4

Der Costaricaner Fernando Contreras Castro (*1963) ist einer der bekanntesten Schriftsteller seines Landes und gilt als Vertreter der costa-ricanischen Literatur der »Generation der Enttäuschung«. Er arbeitet als Professor für Literatur an der Universität von Costa Rica in San Jose. Es wurde zweifach mit dem costa-ricanischen Nationalpreis Aquileo J. Echeverría ausgezeichnet. 1995 für den Roman »Los Peor«, der auf Deutsch unter dem Titel »Der Mönch, das Kind und die Stadt« im MaroVerlag erschienen ist und als Taschenbuchlizenz im Unionsverlag. Ein zweites Mal wurde er im Jahr 2000 für »El tibio recinto de la oscuridad« mit diesem Preis in der Sparte Roman ausgezeichnet. Insgesamt hat Fernando Contreras Castro sechs Romane und drei Bände mit Kurzgeschichten in Costa Rica veröffentlicht. Die beiden Romane im MaroVerlag sind die einzigen Bücher, die bisher auf Deutsch von ihm vorliegen.