Frau Welt setzt einen Hut auf

Susanne Neuffer

Frau Welt setzt einen Hut auf

und andere Erzählungen

188
Seiten
Umschlag von:
Yvonne Kuschel
Broschur
14,00 €
(brutto)
Leider vergriffen

Ich bin Hutmacherin, sage ich, und manchmal sagt einer von den voll alphabetisierten Männern, die mit mir Filme ansehen und dann ihr Schnäuzchen ins Rotweinglas tunken, Hutmacherin? Warum nicht gleich Spitzenklöpplerin? Ich habe den Film nicht gesehen, aber ich weiß, was sie meinen − etwas Sanftes, Tragisches, Nebensächliches. Sie setzen immer alles in Filme um, so wie sie jetzt ständig diesen Film sehen, in dem über Manhattan schwarzweiß die Sonne aufgeht. Das ist mal ein Film, wo man am Anfang weint und nicht am Schluss.

»In Susanne Neuffers Erzählungen treffen die Sehnsüchte und Ängste ihrer Protagonistinnen auf eine scheinbar surreale Wirklichkeit. Leise, klug und witzig erzählt die Autorin vom skurrilen Leben.
Eine Tote kämpft gegen das Vergessen an, ein Osterbrunch wird zur persönlichen Ehekrise, eine Künstlerin trägt unpassende Gedichte an Senioren-Geburtstagen vor, eine Hutmacherin entkommt der städtischen Tristesse in den Armen eines Landburschen. Susanne Neuffers Erzählungen blicken auf die Anstrengungen, sich tapfer durchs Leben zu schlagen und verweilen bei den Momenten, in denen die Menschen den Sinn und Unsinn am eigenen Tun hinterfragen.
Absurd melancholisch beschreibt sie diese Augenblicke, ihre Figuren treten dem Leben in einer empfindsamen Widerspenstigenkeit entgegen, die weniger nach Scheitern schmeckt als nach dem Willen, das Leben zu verstehen. So sind keine psychologischen Diagramme entstanden, sondern leichte, poetisch augenzwinkernde Geschichten über das Dasein.«

Clarissa Lempp im AVIVA-Onlinemagazin

Susanne Neuffer

Susanne Neuffer, 1951 in Nürnberg geboren, lebt in Hamburg. Für ihr literarisches Werk erhielt sie Literaturpreise, u. a. den erostepost-Literaturpreis 2017, den Hamburger Förderpreis 2014 und 1996, den Walter Serner-Preis 2007 und den 2. Preis im MDR Kurzgeschichten-Wettbewerb 2011. Im Mai 2016 war sie Stipendiatin im Brechthaus in Svendborg. Im MaroVerlag sind bisher fünf Bücher von ihr erschienen. Lyrik und Prosa von Susanne Neuffer wurde auch in Antholo­gien und Zeitschriften, u. a. in Stadtgelichter, erostepost, Hamburger ZIEGEL, Entwürfe und Manuskripte, abgedruckt. susanne-neuffer.de


Presse

Neuffers Erzählungen lassen schmunzeln, stocken, grübeln und wundern, aber immer tun sie etwas mit der/dem LeserIn. Die Wortkunst der Autorin liegt in einem einfallsreichen, lakonisch-kurzweiligen Stil, der manchmal fast naiv, aber doch immer klug daher kommt. Sie lässt ihre Figuren nie zu weit abrutschen, auch wenn sie ihnen den Boden unter den Füßen wegzieht. So sind Neuffers Geschichten zwar keine, die von den besten Seiten des Lebens erzählen, die eine/n aber doch am Ende um das Bessere wissend entlassen.

AVIVA-Tipp

»Susanne Neuffers Protagonistinnen wirken meist leicht deplatziert, sie umgibt der Hauch einer vergangenen Welt. Fast scheint es, als hätte es sie aus einem Landgut der Jahrhundertwende – ähnlich jenem, aus Ingmar Bergmanns Film »Das Lächeln einer Sommernacht« – mitten in eine Großstadt zu Beginn des 21. Jahrhunderts verschlagen. Dabei ist Neuffers Sprache ganz zeitgemäß und hat nichts Manieriertes oder Antiquiertes an sich. Ihre Heldinnen scheinen in einem Kokon aus gefühlten Erinnerungen zu leben. Dieser hat etwas Erschreckendes und Tröstendes zugleich – die Erinnerungen an eine nicht näher benannte Idylle sind darin ebenso präsent wie die Schatten der Vergangenheit. Bietet er ihnen Schutz vor einer aus den Fugen geratenen Welt, so scheint er ihnen manchmal auch die Luft abzuschnüren. Als Leser folgt man ihnen trotzdem gerne in die dunkle Enge ihres Kokons, schon alleine um zu rätseln, welcher Falter daraus noch schlüpfen wird. Unter dem Gespinnst aus Zeit, das sie umhüllt, erscheinen sie verletzlich und würdevoll zugleich – ähnlich den Modellen der seltsam berührenden Aktbilder des britischen Malers Lucien Freud. Ähnlich wie dieser, porträtiert auch Neuffer ihre Figuren im Inneren des Kokons: Bis auf die Haut entblößt, ohne sie je bloßzustellen.«

Matthias Fersterer in oya

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