Schnee von Teheran

und andere Erzählungen

Susanne Neuffer

14,80 €
inkl. MwSt.

Ein Bildungsroman wie ein Märchen aus 1001er Nacht, erzählt in einer persischen Zuckerbäckerei. Die 1951 in Nürnberg geborene Autorin lebt heute in Hamburg und schreibt laut eigenen Angaben „schon immer“. Inspiriert wird sie dabei eigentlich überall – denn Geschichten lauern auf der Straße, im Museum, im Laden, im ICE, am Arbeitsplatz. Die Figuren sind etwas ratlose, aber untragische Existenzen, die zu Täuschungen und Selbsttäuschungen neigen, sie rennen ihren Sehnsüchten hinterher und suchen sich Plätze im Ungefähren.
Babette Kleinhempel ist eine Lehrerin, die lieber verschämt zugeben würde, Callgirl, Bestatterin oder Waffenhändlerin zu sein – „das war wenigstens richtig anrüchig, das waren die Berufe, die vor die Stadttore gehörten“ – als sich zu ihrer tatsächlichen Profession zu bekennen, aus der sie sich innerlich längst verabschiedet Die einzige Gelegenheit, diesen Eskapismus auszuleben, sind jeweils die Großen Ferien. Sie bieten der Protagonistin den Raum für Bildungsreisen zu ihren familiären Wurzeln, zu den Quellen der körperlichen Arbeit, in die Bergwerke – immer auf der Suche nach der Faszination des Ursprünglichen. Unterwegs trifft sie „die Toten und die Torten“, erfährt einiges über die Zusammenhänge zwischen Todesangst, Lebenshunger und Leichenschmaus, entdeckt, dass „Spirituelles in Kathmandu … ziemlich spießig (ist) im Vergleich zu Kakaotrinken in Hammerfest.“ Auf diese Weise sammelt sie Ideen und Rezepte für den persischen Zuckerbäcker Reza, der sie gelehrt hat, die Zuckerbäckerei und ihre Produkte nicht nur als Spiegel einer Kultur zu begreifen, sondern auch als entscheidendes Mittel zur Bewältigung des realen Lebens und seiner Anforderungen. Insofern ist man als LeserIn auch nicht desillusioniert, wenn Babette am Ende ihrer Reisen, ihre fiktiven Fluchten, wieder in den Schulalltag zurückkehrt unter dem Druck mitleidloser Überweisungen am Monatsende, der Notwendigkeit von Altersvorsorge und Krankenversicherung. Schließlich bleibt die Aussicht auf die Verwirklichung eines Projekts gemeinsam mit dem kongenialen Reza: Der Nachbau der Sieben Weltwunder als Desserts.

Untertitel
und andere Erzählungen
Sprache
Deutsch
Seiten
180
Autorin
Susanne Neuffer
Umschlag von
Yvonne Kuschel
Bindungsart
Broschur
Susanne Neuffer, 1951 in Nürnberg geboren, lebt in Hamburg. Für ihr literarisches Werk erhielt sie Literaturpreise, u. a. den erostepost-Literaturpreis 2017, den Hamburger Förderpreis 2014 (für Kurzprosa) und 1996, den Walter Serner-Preis 2007 und den 2. Preis im MDR Kurzgeschichten-Wettbewerb 2011. Im Mai 2016 war sie Stipendiatin im Brechthaus in Svendborg. Im MaroVerlag sind bisher vier Bücher von ihr erschienen. Lyrik und Prosa von Susanne Neuffer wurde auch in Antholo­gien und Zeitschriften, u. a. in Stadtgelichter, erostepost, Hamburger ZIEGEL, Entwürfe und Manuskripte, abgedruckt. susanne-neuffer.de
978-3-87512-461-3